Orange Magie
Fox E-Live Valve: Elektronisch geregeltes E-MTB-Fahrwerk im Test
in Test
Als Mountainbiker haben viele von uns die nachfolgende Situation schon einmal erlebt: In einer, technisch durchaus anspruchsvollen und von groben Schlaglöchern verminten, Abfahrt fühlt sich die Federung des vertrauten Bikes kurios unkomfortabel an. Der Aha-Effekt stellt sich nach Blick aufs Federbein ein: Klar, man hat nach langer Asphaltauffahrt vergessen, die Federung über den Lock-Out-Hebel wieder zu entsperren. Genau hier setzt das Fox E-Live-Valve System an – die elektronische Fahrwerkssteuerung von Fox.
Der Fahrer soll sich konsequent aufs Fahren konzentrieren dürfen, seine wertvolle Energie nicht auf „Einstellarbeiten“ an der Federung verwenden müssen. Stattdessen soll die Federung an Vorder- wie Hinterrad selbst entscheiden, wann und wie lange sie sich für einen, vom Untergrund erzeugten Schlag öffnet und wann sie pausiert, weil der Fahrer nur auf ebener Asphaltstrecke pedaliert. Fox will mit Fox E-Live Valve ein in der Trailpraxis einfaches, verlässliches E-Fahrwerk geschaffen haben, das in jeder Fahrsituation optimal arbeitet und so die Effizienz des Bikers steigert. Insbesondere auf langen Touren soll er so langsamer ermüden, mehr Fahrspaß genießen.

Individualisierbar: Mittels der zugehörigen, kostenlosen Live-Valve-App fürs Smartphone lassen sich Arbeitsschwelle und Charakter der fünf Modi in gewissem Rahmen verändern. Auch Firmware-Updates (Systemverbesserungen etc.) können per App und Bluetooth-Verbindung aufs System gespielt werden.
Fox E-Live Valve: Hochentwickelte Technik
Damit das reibungslos funktioniert, setzt sich Fox E-Live Valve aus den folgenden Bausteinen zusammen. Zwei Beschleunigungssensoren – einer angebracht auf der Rückseite der Gabelbrücke, der zweite nahe der Hinterradnabe – messen die an Vorder- und Hinterrad auftretende Beschleunigung (g) 1000 Mal pro Sekunde (!) und schicken diese Information via Kabel an die Steuerungseinheit.
Das „Gehirn“ des E-Live-Systems arbeitet mit einem 3D-Sensor, der das Gefälle des Geländes erkennt, sowie einem Mikroprozessor. Basierend auf Algorithmen, berechnet die Steuerungseinheit aus den Messdaten zum befahrenen Gelände nun, ob und in welchem Maße Dämpfer und Gabel geöffnet werden sollen. Die Ansteuerung der Federelemente passiert nun mittels Controller respektive elektronisch gesteuerter Magnete, die den Ölfluss in Dämpfer und Federgabel regeln.
Integriert
Da Fox das E-Live-Valve-System konsequent in den aktuellen Performance-CX-Antrieb und das zugehörige Kiox-Display integriert hat, lassen sich die fünf Fahrmodi (Open, Comfort, Sport, Firm, Commute) bequem an der Bosch-Motorbedieneinheit wählen. Über die fünf Fahrmodi verfügt man über ein unterschiedlich straff agierendes Fahrwerk, dessen Charakteristik von betont komfortabel im Comfort-Modus (bei dem die Federung meist durchgehend offen bleibt) bis XC-rennmäßig straff im Firm-Modus reicht.
Verändert wird hierbei die Arbeitsschwelle des Systems. Sprich: ab welcher Größe von Beschleunigungskräften vom Untergrund die Steuerungseinheit den Federelementen „befiehlt“, sich zu öffnen. Der fürs E-Live-Valve-System benötigte Strombedarf ist, so Fox, marginal. Gespeist wird das E-Fahrwerk vom Powertube-Akku. Praktisch: So entfällt das Laden eines zweiten Akkus am Bike!
Fox E-Live Valve im Test: Fazit
Vor der Tour will die Federung auf den Fahrer (Federhärte, Zugstufe) justiert sein, was ganz klassisch und leicht im offenen Modus funktioniert. Den Rest macht das elektronische Fahrwerk. Während man auf flacher Asphaltstrecke keine aktive Federung ausmacht, schaltet sie sich, als wäre sie immer schon da gewesen, auf dem von Steinen erschwerten Anstieg hinzu, verwöhnt mit satter Traktion.
Markant: Gerade beim Durchfahren tieferer Senken, bei denen ein Bike mit normaler Federung gern mal etwas nachwippt, gibt das elektronische Fahrwerk nur den wirklich benötigten Federweg frei. So lassen sich die Pedaltritte ungekannt effektiv in Vortrieb münzen. Top!
Kontrolliert in jeder Fahrsituation
Sehr kontrolliert wirkt die Federung in jeder Fahrsituation. Ferner begeistert der als natürlich empfundene Wechsel zwischen straffem Hinterbau im Anstieg und komplett offenem Federweg auf knackigen Downhills. Auch die unterschiedlich straffen Federungsmodi konnten im ersten Test überzeugen, dürfen sicherlich viele Fahrervorlieben bedienen.
Der erste Test fällt also durchweg positiv aus. Spannend wird etwa sein, ob das System in fernerer Zukunft vom Gros der Biker genutzt wird. Derzeit preislich exklusiv (2000 Euro Aufpreis), ist der Nutzerkreis vorerst auf Rennfahrer und Techniknerds beschränkt.

Like Magic! Auf dem vorherigen, fast rüttelfreien Flachstück dezent und kaum bemerkbar im Hintergrund arbeitend, macht das E-Live-Valve-Fahrwerk bei Sprüngen voll auf und tritt stark in Erscheinung.