Bunny Hop
Fahrtechnik-Tipp: Bunny Hop – Hindernisse mit Dynamik meistern

Fahrtechnik-Tipp: Bunny Hop

Fahrtechnik-Tipp: Bunny Hop – Hindernisse mit Dynamik meistern

Der Bunny Hop ist ohne Zweifel eine fortgeschrittene Technik. In unserer Crossmedia-Fahrtechnikserie geben wir euch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, damit der Hase zum Hüpfen kommt.
TEILE DIESEN ARTIKEL

Für viele Biker ist der Bunny Hop ein ziemlicher Profi-Move. Kein Wunder, schließlich wird in vielen Artikeln und Videos eine sehr hohe Variante demonstriert, die man im Alltag kaum benötigt. Die Rodeo-Bewegung des Bunny Hops ist jedoch grundlegend für mehr Sicherheit und Spaß beim Überwinden von Hindernissen und die Optimierung der Linienwahl. Zudem ist der „echte Hase“ auch Basis für weitere Sprungtechniken, z.B. im Bikepark. Das Problem: Die meisten Biker/innen haben sich in Ihrer Anfangsphase den sogenannten „Standard-Hop“ angewöhnt, sprich sie reißen aus Armen und Beinen beide Räder gleichzeitig hoch. Der Umlernprozess zum richtigen Bunny Hop benötigt deswegen Geduld, da sich immer wieder Automatismen einschleichen. Doch es lohnt sich dran zu bleiben – wir zeigen Euch, wie man sich Schritt für Schritt an diesen Könner-Move herantastet.

Vorderrad und Hinterrad hoch – Basis für den sauberen Bunny Hop

Ein Reißen aus den Armen am Lenker ist die häufigste Fehlangewohnheit, die einen gelungen Auftakt des Bunny Hops verhindert. Also sollte man um das Vorderrad hoch zu bekommen, das dynamische Strecken nach oben hinten (siehe Manual-Impuls Heft 5/6-2015) so häufig wiederholen, bis sie automatisch abrufbar ist. In diesem ersten Schritt geht es auch nicht direkt darum, eine besondere Höhe oder Länge während der Ausführung zu erreichen. Stattdessen sollte eine saubere Ausführung der Bewegung im Fokus stehen!

1. Aus zentraler und tiefer Haltung starten.

2. Streckung nach oben-hinten einleiten.

3. Bewegung nach oben-hinten vollenden.

4. Vom Gefühl her das Hinterrad nach vorne schieben.

5. Den Aufprall des Vorderrades aktiv abfedern.

Bunny Hop: Fahrtechnik-Tipps

Nun kommt das Anlupfen des Hinterrades als nächstes Puzzle-Teil zum Bunny Hop dazu. Auch hier ist eine saubere Ausführung mit dynamischer Streckung wichtig. Da man nun das Hinterrad leicht machen möchte, rollt man in der Zentralposition an. Von dort aus tätigt man eine dynamische Bewegung nach oben-vorne. Nach dem Prinzip „leichte Masse folgt der schweren Masse“ hebt das Hinterrad ab. Voraussetzung ist eine feste Bindung der Fußsohlen an den Pedalen, die man über Körperspannung erreicht.

Dazu senkt man die Zehenspitzen ab, und drückt die Füße gegen die Pedalflächen (bitte bei dieser Übung Schienbeinschoner tragen). Anfangs nimmt man alle Finger vom Hebel der Vorderradbremse, um nicht aus Versehen dranzukommen und über den Lenker zu fliegen. Beim Üben sollte man eine Folge mehrerer Versuche direkt hintereinander vermeiden, weil dadurch Konzentration und Kraft schnell nachlassen.

1. Aus einer zentralen Position starten.

2. Dynamische Bewegung nach oben-vorne einleiten.

3. Fußspitzen absenken, Sohle gegen Pedalfläche drücken.

4. Körperspannung halten, Arme und Beine bleiben gerade!

5. Den Aufprall aktiv abfedern, Arme und Beine voll ausnutzen.

Bunny Hop: Dynamische Verbindung der beiden Bewegungen

Wenn diese Übungen gut als unabhängige Bewegungsabläufe funktionieren, werden als letzte Vorübung beide Impulse miteinander verbunden. Für die „Wippe“ eignet sich eine ebene Fläche. Dabei sollte man Hindernisse anfangs weglassen, um nicht unnötig abgelenkt zu werden. Nun werden die Impulse an Vorderrad- und Hinterrad langsam und chronologisch hintereinander gereiht. Sobald also das Vorderrad wieder Bodenkontakt hat, wird der Körper dynamisch nach oben-vorne bewegt, so dass sich direkt im Anschluss das Hinterrad hebt. Erst wenn das gut klappt versucht man, die beiden Bewegungen schneller auszuführen und direkt aneinander zu reihen. So entsteht ein kleiner, aber feiner Bunny Hop. Damit das gut klappt, sind viel Übung und nicht zuletzt ein gutes Timing gefragt!

Tipp: Lose Hindernisse wie Schuhkartons oder flache Hütchen eignen sich ideal zum Üben. Steigere dich Schritt für Schritt!

1. Frühzeitig den Manual-Impuls starten.

2. Den Weg von hinten nach vorne dynamisch starten.

3. Füße in Pedale eingespannt, Körperspannung halten!

4. Das Vorderrad landet zuerst, den Federweg aus Armen und Beinen nutzen.

5. Mit Muskelspannung den Aufprall geschmeidig absorbieren.

Bunny Hop: Praxis-Tipps

Das Bunny-Hop-Training sollte man mit Geduld angehen, damit Spaß und Motivation nicht auf der Strecke bleiben. Ein paar Schlüsselpunkte sind dabei zu beachten:

  • Mit Flatpedals (Plattformpedale) und Schienbeinschonern üben. Das Abrutschen von den Pedalen tut nämlich ohne Protektoren meist weh!
  • Sattel auf Vorbauhöhe absenken für genug Bewegungsspielraum.
  • Schritt für Schritt vorgehen – anfangs als isolierte Trockenübungen vorne und hinten.
  • Die Wippe automatisieren und erst dann die Dynamik der Bewegung steigern.
  • Videoanalyse per Ipad oder Smartphone nutzen. Für die Super-Zeitlupe gibt es Apps.
  • Geduld mit sich haben und sich Zeit geben für den Bunny Hop.
  • Pendler und Stadtradler können an Bordsteinkanten üben (viele Wiederholungen).
  • Tagesform beachten und es nicht mit der Brechstange erzwingen.
  • Feste und hohe Hindernisse senden starke Gefahrenreize – deshalb das Ganze langsam steigern.
  • Online-Videos der Profis wiederholt anschauen, um das Lernen zu forcieren.

Fahrtechnik-Autor Marc Brodesser

Marc Brodesser ist aus Bonn, seit den 90ern Mountainbiker und ein erfahrener Fahrtechniktrainer der Bikeschule Ridefirst. Nach wilden Jahren mit viel Airtime und Tricks fährt der Allrounder wieder mehr Enduro-Touren auf spaßigen Singletrails. Unter anderem hat der ADFC-zertifizierte Bike-Guide einige Videos im Internet-Portal fahrtechnik.tv sowie das Buch „Mountainbike Fahrtechnik“ (BLV Verlag) veröffentlicht.

Schlagworte
envelope facebook social link instagram